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Folge 16.2: WAS IST EIN DEZENTRALER EXCHANGE(DEX)

kryptokabinettMar 28, 2019, 10:01:58 AM
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kryptokabinett.at ist ein Podcast/blog der sich an Anfänger und Neueinsteiger richtet.

Hallo!

Und Willkommen!

Das ist die Nachlese der 16. Folge des kryptokabinett.at-Podcasts zum Thema: dezentrale Exchanges.

https://kryptokabinett.blogspot.com/2019/02/folge-16-dezentralisierte-krypto.html

In diesem Zweiten Post zur 16. Folge des Podcasts gibt es grundlegende Infos zur Funktionsweise eines Exchanges bzw. eines dezentralen Exchanges.

Nach dem letzten Post über generelle Punkte zum Thema Dezentralität führe ich Euch heute einen Schritt weiter:

...und zwar zur Funktionsweise und Technik von Exchanges - insbesondere dezentraler Exchanges!



WAS IST EIN DEZENTRALER EXCHANGE (DEX)?

Ein dezentraler Exchange ist eine Börse, die nicht auf einen Mittelsmann angewiesen ist, um die Gelder des Kunden zu halten.

Stattdessen werden Transaktionen direkt zwischen den Benutzern in einem Peer-to-Peer-Netzwerk (P2P) durchgeführt das im Wesentlichen nur aus Wallets mit einer eingebauten Vermittlungsmöglichkeit aufgebaut ist.


Also um das leichter zu veranschaulichen erkläre ich Euch zuerst wie ein normaler Exchange funktioniert...


WIE FUNKTIONIERT EIN NORMALER EXCHANGE?

Ein Benutzer legt entweder Fiat- oder Kryptowährung in sein Exchange-Konto (Depot) ein und sein Guthaben an der Börse wird gutgeschrieben. Er bekommt dafür eine Art Schuldschein (kurz IOU genannt):

I owe you“ – das ist ein Schuldschein der den Besitz der gekauften Coin repräsentiert.

Man nutzt dann das Orderbuch und den Liquiditäts-Pool des Exchange, um gewünschten Coins zu kaufen oder zu verkaufen. Das habe ich auch schon in Podcastfolge #15 über die zentralisierten Exchanges beschrieben.


Als User habe ich jedoch keine Kontrolle über meinen privaten Schlüssel meiner Wallet auf dem Exchange und somit habe ich auch keine echte Kontrolle über meine Coins.

Abgesehen davon, dass sie gegen den ursprünglichen Geist einer dezentralisierten Finanzwelt sind, haben sich diese zentralisierten Börsen auch als größte Schwachstelle der Kryptowährungsmärkte erwiesen:

Der Bärenmarkt 2014-2015 wurde durch den Hack des Mt.Gox-Exchange ausgelöst. Die japanische Börse verlor damals ca 800.000 Bitcoin (damals ca. 450 Mio USD) an Hacker die damit verschwanden.


Da diese Börsen als zentralisierte Depotbank für Kundengelder fungieren, sind sie leider auch eine zentrale Fehlerquelle („single point of failure“) die sowohl von Hackern (hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier…)

…als auch von Regierungen ins Visier genommen werden können.
(hier, hier, hier und hier...)


Mit dem Bekanntwerden von Kryptowährungen im Mainstream kamen leider auch die großen Hacks mit Millionen-Verlusten für Kunden einher.

Damit war es nur eine Frage der Zeit das immer mehr dezentrale Exchanges entwickelt wurden deren größter Vorteil es eben ist nicht mehr auf einen Mittelsmann zu setzen der die Kundengelder einsammelt.


WIE FUNKTIONIERT EIN DEX?

Ein DEX wiederum funktioniert nach anderen Systematiken:

Die wichtigsten erläutere ich Euch jetzt:


-Handel durch das Erstellen bzw. Einsetzen von PROXY-TOKEN

DEXs wie z.B. Waves , Bitshares und OpenLedger erledigen den Handel zwischen den Coins über einen Zwischenschritt mittels einer eigenen Währung: der Waves-DEX mit dem WAVE-Coin bzw. BitShares und der OpenLedger-DEX mit dem BTS-Token.

Mit diesen Tokens können auch manchmal die Gebühren billiger bezahlt werden als wenn man die Gebühren nur mit den zu handelnden Coins bezahlen würde.

Meiner Meinung nach sind diese DEX aber durch das Einbringer solcher Tokens nicht mehr wirklich dezentral – da hier ja schließlich der verwendete Token auch eine Art Mittelsmann ist.

Der Vorteil wiederum ist das der DEX in solchen Fällen weniger von Handelspaaren abhängig ist da er ja nur ein Handelspaar je Coin (Coin zu Exchange-Token) herstellen muss und damit jeder Coin mit jedem anderen über den Exchange-Token handelbar wird.


- durch ein dezentrales MULTISIG-System:

das entspricht Transaktionen die von mehreren Parteien signiert werden müssen um ausgezahlt zu werden – also vereinfacht gesagt muss das OK vom Käufer UND vom Verkäufer kommen um den Handel komplett abzuschließen. Wenn ein Teilnehmer nun versucht den Handel zu sabotieren – so hat er aufgrund des MultiSig-smartcontracts keine Chance seinem Handelspartner das Geld abzunehmen und zu verschwinden. Der smartcontract bietet ihm dazu keine Möglichkeit an und im schlimmsten Fall wird der Handel einfach abgebrochen.


- und neuerdings auch durch ATOMIC-SWAPs:

(Atomic -Swaps oder auch cross-chain-Handel genannt)

Dies ermöglicht einen Austausch von Coins auf unterschiedlichen Blockchains mit Hilfe des Lightning Netzwerks - das dann auch beide Blockchains benötigen. Das ist eine ideale Technik für dezentrale Exchanges. So werden mittels sogenannter hash-time-locked-contracts – das sind mittels hashwerte abgesicherte transaktionen die einen bestimmten zeitraum gelten – die coins gleichzeitig auf den jeweiligen wallets der Teilnehmer ausgetauscht. Betrug ist hier ebenfalls nicht möglich – und wird einfach mit dem Abbruch des Handels geahndet.



Eines der Grundprinzipien von DEX ist das sie – im Gegensatz zu den Zentralisierten Exchanges (CEX) - keinen zentralen Angriffspunkt haben.

Die User treten direkt miteinander in Kontakt und es gibt keine Mittelsmänner die sich in dem Peer-to-peer-Handel (P2P) dazwischenschalten können.

Das Fehlen eines zentralen Servers, der diese Transaktionen ausführt, erhöht die Sicherheit des kompletten Handelsprozesses - somit gibt es auch keine zentralen Server auf denen - wie bei den üblichen Exchanges – Kryptowährungen herumliegen.

Es besteht auch eine höhere Anonymität als bei zentralisierten Exchanges, welche natürlich die von den Regulierungsbehörden geforderten KYC bzw. AML-Schritte durchführen müssen.

Unerwünschte Angreifer erschwert dies sehr stark den Zugang - den ein Distributed-Ledger-basiertes Handelssystem bedeutet, dass ein Hacker mehr als die Hälfte des Netzwerks verwalten muss, um das System zu kompromittieren!


NACHTEILE

Natürlich gibt es immer Nachteile und in diesem Fall ist das keine Ausnahme:

ONLINE BLEIBEN

Einige DEX erfordern, dass Benutzer immer online sind, damit eine Bestellung aufgelistet und der Handel stattfinden kann, wobei die Benutzer bestimmte Aktionen ausführen müssen, wie z.B. das Signalisieren, dass eine Zahlung empfangen wurde. (hier sind vor allem alle DEX betroffen die mit Atomic-Swaps arbeiten)

FEHLENDE TRADING-FUNKTIONEN

Spezielle Tradingfunktionen wie Margin Trading, Lending und Stop/Loss-Orders sind derzeit im dezentralen Modell nicht verfügbar, da sie nur den Basisaustausch von Währungen für einen vorgegebenen Wert erlauben. Das mag vielleicht für Trader ein Nachteil sein – für uns Normalbenutzern sollte hier jedoch keiner entstehen.

MANGELNDE LIQUIDITÄT

Zentrale Börsen haben derzeit noch die größte Liquidität – solange die DEX noch mit geringerer Liquidität arbeiten dauert es machmal lange jemanden zu finden der gewisse Summen oder spezielle Coins überhaupt anbietet. Ein wichtiger Punkt welcher sich aber – davon bin ich überzeugt - mit der Zeit von selber erledigen wird. So wie es vor 7 Jahren auch noch kaum normale Exchanges zur Auswahl gab.

ANONYMITÄT

Natürlich gibts es keine totale Anonymität – die Private-Keys der Handelspartner sind bekannt und sollte man gegen Fiat-Geld handeln wird auch der Bank-Account/Kreditkarte, usw… bekannt gemacht – aber auch nur dem Handelspartner und niemanden anderen!

ZWINGENDE SELBST-VERANTWORTUNG

Ein Nachteil ist natürlich auch die Abwesenheit einer zentralen Kontrollinstanz: denn die User erhalten die Kontrolle über ihre Kryptowährungen zurück – diese müssen diese Kontrolle aber eben auch ausüben! …man kann hier also nicht so einfach seine Verantwortung abgeben!

MANGELNDER SUPPORT

Viele DEX bieten auch keinen oder sehr wenig Support an – hier muss man sich bei anderen Usern oder in Foren zurechtfinden.


Als Nachteil kann hier auch noch die z.T. etwas altbackenen Userinterfaces (UI) hgenannt werden. Die Schönheit liegt aber im Auge des Betrachters. Und wer Screenshots des in Bälde eröffneten Binance-DEX gesehen hat wird bemerkt haben – ein DEX kann auch wie ein zentralisierter Profi-Exchange aussehen…


VORTEILE


Die Vorteile einer DEX kurz auf den Punkt gebracht:

KEIN MITTELSMANN NÖTIG

Der offensichtlichste Vorteil, einen dezentralisierten Austausch über einen zentralisierten zu nutzen, ist ihr "vertrauenloser" Charakter.

Wir sind nicht verpflichtet, der Sicherheit oder Ehrlichkeit einer zentralisierten Exchange zu vertrauen, da die eigenen Coins in meinem persönlichen Wallet liegen und nicht dem von einem Mittelsmann (dem Exchange) gehalten werden.

SICHERE WALLETS

Ein DEX bindet das eigene Wallet in den Handel ein – und so passiert der Handel direkt mit dem Handelspartner. Zudem bieten viele DEX auch schon Möglichkeiten an sichere Hardware-Wallets wie den Ledger oder Trezor einzubinden.

HOHE PRIVATSPHÄRE

Ein weiterer Vorteil des dezentralen Modells ist die Privatsphäre, die es bietet. Benutzer sind nicht verpflichtet, ihre persönlichen Daten an Dritte weiterzugeben, so wie zentralisierte Exchanges auf KYC bzw AML bestehen.

Ausnahme ist wenn die Umtauschmethode eine Banküberweisungen oder Kreditkarte beinhaltet. In diesem Fall wird aber unsere Identität nur der Person offenbart, von der wir kaufen bzw. an die wir verkaufen.

Obwohl es hier anscheinend auch Ausnahmen von DEX (IDEX) gibt die sich sehr wohl der AML,KYC-Problematik unterwerfen:

Hier liegt der Grund wohl auch darin das IDEX versucht einen Mittelweg zwischen zentralisiert und dezentral einzuschlagen um die Liquidität hoch zu halten bzw. seine Betreiber nicht dem Risiko einer Strafverfolgung auszusetzen wie es beispielsweise bei Etherdelta-Gründer Zachary Coburn erfolgte.

MEHR MACHT BEI COIN-LISTINGS

Ein wichtiger Vorteil gegenüber normalen Exchanges ist es auch das die Macht der Exchanges verschwindet zu entscheiden einen Token überhaupt zu listen oder ihn fallen zu lassen.

Die P2P-Technik ist sehr skalierbar da sich Geschwindigkeit und Performance nur zwischen den beiden handelnden Parteien abspielt und es somit nicht zu Serverausfallzeiten kommen kann.

Wenn ein DEX einen technischen Kollaps hat so können auch keine Coins verschwinden da diese ja nur direkt zwischen den Wallets bewegt werden.

Eine dezentrale Börse kann ebensowenig von Hackern oder Regierungen reguliert oder abgeschaltet werden da es hier eben kein zentrales Managment und damit auch Fehlerquelle („single-point-of-failur“) gibt.

Nichts destotrotz wird dies aber bereits – wie zuvor erwähnt - mit dem DEX EtherDelta versucht – der „single point of failure“ der hier zum Angriffspunkt wurde war wohl eine vom US-Entwickler selbst betriebene Server-Einheit da es für EtherDelta keine US-Registrierung gab:

Dieser Vorgang wird bereits als Präzedenzfall gehandelt um möglicherweise alle dezentralen Exchanges zu regulieren.


Nach der Funktionsweise von DEX kommen wir nun im nächsten Posting zu den bekanntesten DEX:   Die bekanntesten DEX





ÜBERSICHT ÜBER ALLE FOLGEN (Index):

https://www.minds.com/blog/view/904042026608390144



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NACHTRAG

Der Podcast wurde im Jänner 2019 aufgenommen und im Februar 2019 transkribiert.

VIEL SPASS BEI DER NACHLESE!

...und haltet Eure Privatekeys sicher!!!  :)